Gedanken und Fürze

Die meisten Dinge, die Menschen geschaffen haben, begannen mit einem Gedanken. Es ist diese Idee, die absurd klingt, zu weit hergeholt und völlig unrealistisch – diese Idee, die schließlich die Welt wie wir sie kennen verändern wird; und dieselben Leute, die zuvor nicht müde wurden, sie zu verspotten, tun plötzlich so, als hätten sie es schon immer gewusst und die Sache sei das Normalste der Welt.

Mitte des 19. Jahrhunderts träumte ein französischer Jura-Student nicht nur davon, Schriftsteller zu werden. Er ließ seinen Gedanken freien Lauf und dachte sich eine Maschine aus, mit der Menschen auf den Mond fliegen können. Fast genau einhundert Jahre danach (104, um genau zu sein) betraten erstmals zwei Menschen den Mond. Was am Schreibtisch des Poeten irgendwo in Frankreich als Gedanke begonnen hatte, wurde zu einer Wirklichkeit, die Geschichte schrieb. Jules Verne, der Autor, hatte nicht nur eine Idee in unser kollektives Denken gesät, sondern ganz nebenbei auch noch die Science Fiction erfunden.

Corona und Zwangspause unseres geschäftiges Lebens

Wir leben in Zeiten, die zunehmend besorgniserregend sind. Vor nur wenigen Monaten waren die Schlagzeilen voll mit der heraufziehenden Katastrophe durch den Klimawandel, die immer mehr Menschen als eine der größten Herausforderungen der Menschheitsgeschichte zu verstehen beginnen. Jetzt ist es ein Virus, das mehr und mehr Bereiche unserer ach so dominanten Spezies – der Menschheit – in Schach hält. Im Moment weiß niemand, welche Folgen das alles haben wird, angefangen von der Börse bis zur Wirtschaft.

Aber vielleicht bringen uns diese gallopierenden Ereignisse ja nicht vom Regen in die Traufe. Merkwürdigerweise hat COVID-19 erreicht, was Greta und Millionen ähnlich denkender Menschen nicht geschafft haben – es hat unsere Emissionen auf bisher undenkbare Weise verringert. Und in einer Welt, in der niemand mehr Zeit zu haben scheint, sitzen die Menschen jetzt zuhause und haben eine Sache im Überfluss: Zeit. Man sagt, in Wuhan haben die Scheidungen deutlich zugenommen. Aber es wird zweifellos auch viele Menschen geben, die aus dieser Krise kommen und sich fragen, warum in aller Welt sie ihr Leben bisher voll mit Aktivitäten und Arbeit gestopft haben statt einfach mit ihrer Familie zu leben. Oder ihrem kreativen oder praktischen Talent, ihrer Leidenschaft.

Krise als Chance: Ist es nicht schon lange „genug“?

Unser aktuelles kapitalistisches Lebensmodell ist an vielen Stellen kaputt. Die beste Zusammenfassung, die ich bisher gehört habe, lautet: „Der Kapitalismus bezahlt seine Rechnungen nicht.“ Das gilt für Näherinnen und Näher in den Sweatshops in Bangladesch, die manchmal sogar mit ihrem Leben dafür bezahlen, dass wir hier im Westen billige Kleidung kaufen können. Und es gilt ebenso für die Kinder unserer Kinder, die in einer Welt leben müssen, die zunehmend unbewohnbarer für Menschen wird. Unendliches Wachstum in einer endlichen Welt kann nur für eine gewisse Zeit funktionieren, und das Ende dieser Zeit scheint jetzt gekommen. Wenn die Dekade der 20er vorbei ist, die ja kaum begonnen hat, dann wird die Welt radikal anders aussehen als die, die wir noch bis vor ein paar Wochen gekannt haben. Das gilt, wenn wir offen auf die Veränderungen zugehen. Es gilt aber auch, wenn wir uns ihr als hartnäckige Traditionalisten widersetzen. Es liegen enorme Veränderungen vor uns. Versuchen wir, uns gegen die Flut zu stellen, oder fließen wir mit ihr?

In den vergangenen Jahrzehnten gab es viele Ideen und Experimente für eine andere Art zu leben – dabei ging es um alles Mögliche, von Beziehungen über gemeinschaftliches Wohnen und Leben bis hin zur Wirtschaft und wie sehr wir die Umwelt belasten. Viele Leute suchten und suchen nach anderen Lebensweisen, auf der persönlichen wie auf der gesellschaftlichen Ebene. Und natürlich gibt es auch diejenigen, die diese Ideen lächerlich machen und ihnen widerstreben.

Deine Zeit ist begrenzt. Verschwende sie nicht, indem du das Leben von jemand anderen lebst. Lass dich nicht von Dogmen gefangen halten – was bedeutet, mit dem zu leben, was andere Menschen sich ausgedacht haben. Lasse es nicht zu, dass der Lärm anderer Meinungen deine eigene innere Stimme erstickt. Und, was am wichtigsten ist: Habe den Mut, deinem Herz und deiner Intuition zu folgen.
Steve Jobs

Zeit, die Welt anders zu sehen

Was wäre, wenn wir in dieser Zeit nicht in Panik und Verzweiflung stürzen über den Zusammenbruch unserer Welt, sondern die aktuellen Ereignisse vielmehr als den „Reset“ betrachten, der ohnehin schon lange anstand? Dann könnte das eine Zeit sein, in der wir uns eine neue Welt erträumen. Etwa eine, in der wir nicht Maschinen dienen, sondern die Maschinen uns. Wo nicht dem einen Prozent die Neunundneunzig gehören, sondern wo wir teilen – weit mehr als nur Geld und Materielles. Wo Arbeit sinnstiftend ist und sich um Talent und persönlichen Ausdruck dreht. Wo wir in Konzepten denken, die auf Kreisen und Kreisläufen beruhen und nicht auf Pyramiden und Linien. Wo Gier keine Tugend mehr ist, sondern ein Laster. Wo Großzügigkeit und Vertrauen uns herausfordern, unser Potenzial zu leben.

Die aktuelle Krise kann ein Weckruf für uns sein. In der Zeit, die wir jetzt haben, können wir uns über unsere Träume austauschen. Wie würde eine solche Welt aussehen, eine, in der du wirklich Lust hättest zu leben? Wie würdest du leben? Wie würde sich Arbeit anfühlen, wie sähe sie aus? Höre, was deine Freunde und vielleicht ja sogar Fremde träumen, und was dein Traum mit ihnen macht. Klar, manche Gespräch werden wohl eher ernüchternd laufen. Aber das ist ein guter Start – es zahlt sich aus, etwas Neues in einem nüchternen Zustand zu beginnen. Im Laufe vieler Unterhaltungen wird der Traum langsam klarer werden. Und wer weiß, was dadurch in Bewegung kommt. Denke nur an Jules Verne.

Ein Gedanke ist wie ein Furz. Ist er erst einmal draußen, kann keine Macht der Welt ihn wieder einfangen.

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