Grenzgänger: Eine schamanische Wanderung zwischen den Welten

22–23. Juni, Kleinwalsertal (bei Oberstdorf)

Die Sommersonnenwende – der längste Tag, die kürzeste Nacht des Jahres, die Grenze im Lauf der Sonne. Für diese Zeit am Gipfel des Sonnenlaufs möchte ich zu einer ganz speziellen Wanderung einladen. 

Wir gehen am Tag hinauf zum Gipfel des Hohen Ifen. Er markiert nicht nur die Grenze zwischen Österreich und Deutschland, hier stößt auch tektonisch der afrikanische auf den europäischen Kontinent. Und Himmel und Erde begegnen sich. Für dich eine Gelegenheit, an deinen eigenen Grenzen entlang zu gehen – Altes loszulassen, Neues zuzulassen.

Dabei durchqueren wir eine wunderschöne, sehr vielfältige Landschaft. Schattige Wälder, enge Tobel. Weite Ausblicke. Eine bizarre, andersweltige Felslandschaft, die so gar nicht in die Alpen zu passen scheint. Wir verbringen Zeit auf dem Hohen Ifen, bei dem man bei gutem Wetter vom Bodensee bis in die italienischen Alpen blicken kann. Wir erleben Betriebsamkeit und Einsamkeit – im Außen wie im Innen.

Der Grenzgänger war wunderschön, sehr bereichernd. Ich bin wieder in Kontakt zu mir selbst gekommen, so tief nach innen, als würde sich die Außenwelt mit der Innenwelt verbinden. Und ich erlebe mich auch wieder mit der Natur verbunden. Eine wunderschöne Erfahrung.

Martina

München
Grenzgänger Blick ins Kleinwalsertal

Sommersonnwende

Die Sommersonnenwende hat in der Geschichte der Menschheit schon immer eine besondere Rolle gespielt. Selbst uralte Monumente wie die Cheops-Pyramide oder Stonehenge sind am Lauf der Sonne ausgerichtet.

Die Tage um den 21. Juni haben etwas Besonderes: Sie sind einerseits die Höhepunkt des Sommers, der sinnbildlich für das Leben und Lebendigsein steht. Alles blüht, summt und brummt. Andererseits ist die Sonnwende aber auch eine Erinnerung an die Vergänglichkeit aller Dinge, denn von nun an geht’s bergab: „Der Winter naht.“ Die Mönche des Mittelalters nannten das Memento mori, nach Psalm 90, Vers 12: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Diese Tage laden darum dazu ein, loszulassen und im Wissen um unsere Endlichkeit das Geschenk des Lebens zu feiern, das wir jetzt und hier haben.

Die Sonnwende erinnert uns aber auch, das alles einen Beginn und ein Ende hat; dass auf den Aufstieg der Abstieg folgt. Das geht gegen die Logik unserer Zeit, in der sich so vieles um „schneller, höher, besser, weiter” dreht. Diese Wanderung ist eine Einladung, deine Erfahrung im Blick auf diese scheinbaren Gegensätze zu betrachten und dich vielleicht ja mal ganz anders zu erleben.

Grenzgänger Ausblicke

Grenzgänger

Grenzen zeigen mir, wer ich bin. Sie definieren, sie schützen und wahren das, was in ihnen liegt. Innerhalb meiner Grenzen kann ich sein.

An der Grenze beginnt das, was ich nicht bin. Alles andere. Und obwohl meine Grenzen mich ausmachen, kann ich doch nicht – keinen Moment lang – ohne dieses alles andere sein. Die Erde trägt mich, das Licht, die Luft, das Wasser lässt mich sein und leben. Ich nehme zu mir, ich scheide aus. Ich lebe in der Liebe und durch die Liebe.

Durch die Sinne kommt die Welt in mich hinein. Sinnlich mich ihr zu öffnen macht mich weich und durchlässig. Und da, an diesen weichen Grenzen, küsst mich das Leben. Hier liegt die ganze Lust des Lebens, hier ist satte Fülle, die mich nährt. Und auch die Verletzlichkeit. Das Leben ist lebensgefährlich.

Die ganze Wonne liegt darin, es zu nehmen als das, was es ist und wie es kommt. Das nennt man Gelassenheit. Mich in meinen Grenzen in Frage stellen zu lassen. Zum Vorschein kommen dabei Seiten und Farben von mir, die ich gar nicht hätte ahnen können. Daraus kann das wachsen, was man Weisheit nennt.

Das macht das Andere, das jenseits der Grenzen liegt. Setze deinen Fuß, ruhe deinen Blick, atme es ein. Lass dich berühren vom Anderen. Komm und begegne ihm, erlebe es, berühre das Andere.

Bergblick bei der Grenzgänger-Wanderung

Die Wanderung

Wir gehen vormittags am 22. Juni im Kleinwalsertal los. Der Anstieg führt erst einmal durch waldiges Gebiet. Die erste Pause machen wir an einer archäologischen Stätte, an der schon Jäger in der Steinzeit pausiert haben. Dann bis hinauf zum Gottesacker-Plateau, wo wir eine weitere Pause machen. Anschließend überqueren wir den Gottesacker bis zur Bergstation der Ifen-Bahn. Von dort geht’s nach einer erneuten Pause dann hinauf zum Ifen. 

Abhängig vom Wetter und dem wie wir unterwegs sind wird es ein schamanisches Ritual geben. Die Nacht verbringen wir auf dem Berg bei Neumond unter dem Band der Milchstraße am Himmel. Anschließend gehen wir im Licht des neuen Tages ins liebliche Schwarzwassertal hinunter (mit Einkehrmöglichkeit) und schließlich zurück zu unserem Ausgangspunkt.

Die Wanderung war eine Reise. Nie werde ich vergessen, wie plötzlich die Wolken verschwanden, und der Mond golden über den rosarotlila angestrahlten Berggipfeln trohnte, während auf der anderen Seite die Sonne über dem glitzernden Bodensee feuerte. Ich lehnte mich gegen den Sturmwind, umarmte die Welt und wurde warm getragen. Ich fühlte vieles, in diesen etwas mehr als 24 Stunden: Zweifel, Angst, Irritation, Verbundenheit, Geborgenheit und Vertrauen. Und zuletzt eine totale körperliche Erschöpfung, die sich genau richtig anfühlte. Danke!

D.

Nürnberg
Grenzgänger Labyrinth
Grenzgänger Spirituelle Wanderung Aufstieg
Grenzgänger Wanderung Morgen
Grenzgänger Sonnenuntergang
Grenzgänger Wanderung Biwak
Grenzgänger Wanderung Ausblicke

Ist diese Wanderung für dich?

An Grenzen geschehen interessante Dinge – Übergänge – nicht in der Mitte, wo alles immer gleich bleibt.
Neal Stephenson, Snow Crash

Diese „Grenzerfahrung“ ist nichts für zarte Gemüter! Wir gehen 1.200 Höhenmeter (Aufstieg ca. 7. Stunden) und übernachten auf 2.230 Metern Höhe. Gute Kondition, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und gute Ausrüstung sind erforderlich. Es gibt ausgesetzte Stellen (aber mit Drahtseil-Sicherungen zum Festhalten). Wer Erfahrung mit Bergwandern hat, wird mit dieser Tour keine Schwierigkeiten haben. Sie ist lang, aber nicht schwer. In jedem Fall ist ein Vorgespräch erforderlich – melde dich also bitte bei mir. Dennoch dreht sich diese Wanderung nicht um Leistungssport, sondern vielmehr um’s Innehalten und Wahrnehmen. Wir gehen langsam und mit vielen Pausen.

Es geht an dem Tag auch darum, Dein Inneres zu erwandern. Deshalb braucht es von deiner Seite die Bereitschaft und das Interesse, deine Innenwelt anzuschauen. Dazu werden wir Zeiten der Stille beim Wandern haben, die wir als Medizinwanderung nutzen. Wir tauschen uns im Council miteinander aus. 

Die Wanderung eignet sich auch gut, um eine Frage mitzubringen, die du dir anschauen möchtest.

Das ist eine Tour voller Überraschungen für mich gewesen. Ich bin durch Zauberwelten und karge Steinwüsten, über Schneefelder und durch Wind und Wasser gelaufen und erschöpft und erfüllt wieder abgestiegen. Ich nehme ein wohliges, warmes Körpergefühl mit und eine volle Seele.

Jonas

München
Grenzgänger Wanderung, Blick zum Hohen Ifen vom Gottesacker aus
Blick auf den Hohen Ifen vom Gottesacker aus

Das Land, auf dem wir gehen

Im Kleinwalsertal leben seit vielen Tausend Jahren Menschen. Schon in der Steinzeit wurde dieses Bergmassiv begangen – davon zeugt ein 8.000 Jahre altes Lager von Jägern, an dem wir vorbei wandern. Der Gottesacker ist eine skurrile Landschaft, ganz ähnlich dem Steinernen Meer am Königssee. Zerklüftete Felsen bilden eine Steinwüste, die ein wenig an ein Labyrinth erinnert – immer wieder tun sich Spalten auf, die einen zwingen, den Weg zu verändern. 

Der Hohe Ifen (2.230 m) selbst ist die Grenze zwischen Österreich und Deutschland. Der Grenzstein findet sich gleich neben dem Gipfelkreuz. Hier schiebt sich aber auch die afrikanische Platte gegen die europäische, und so wachsen die Alpen jedes Jahr ein kleines Bisschen. Wir wandern also auch auf der Grenze zweiter Kontinente. Auf einem Land, das einmal der Grund eines Ozeans war, und sich jetzt auftürmt und gleichzeitig abgetragen wird. Einem Land, das für Veränderung steht.

Der Grenzgänger war für mich ein Eintauchen in die Natur, auch ein Eintauchen in mich selbst. Ich habe die unterschiedlichen Energien der Natur kennengelernt, weibliche und männliche Energien, wie ich mit diesen Energien umgehe. Das versuche ich auch in den Alltag mitzunehmen.

Tobias

München
Blick vom Hohen Ifen ins Tal

Schamanismus

Ich habe den Eindruck, hierzulande denken die meisten Leute bei dem Begriff „Schamane” an Indianer, die mit Federschmuck und weißem Salbei aus der nordamerikanischen Prärie oder aus dem südamerikanischen Dschungel kommen. Dabei stammt das Wort „Schamane“ interessanterweise gar nicht aus Amerika, sondern aus Sibirien. Es ist ein anthropologischer Sammelbegriff für eine Form von Spiritualität, die es auf jedem Kontinent der Erde gibt – und die wohl so alt ist wie der Mensch an sich.

Die Frage ist also, was denn „schamanisch” für uns bedeutet, mit unseren Wurzeln. Vor meinem christlichen Hintergrund, den ja viele in unseren Breitengraden teilen, sehe ich vor allem die Parallelen zur Mystik. Schamanismus wie Mystik erkennen die Gegenwart Gottes (oder des Göttlichen, der Lebenskraft, Spirit) in allem. Und beide Sichtweisen sehen unsere lichtvollen Seiten ebenso wie die Schatten. In der Ganzheit liegt die Kraft – in der Verbundenheit mit allem. Das zu erfahren ist die Einladung dieser Wanderung.

Grenzgänger Hoher Ifen

Kosten, Infos und Anmeldung

Wir starten am Samstag, 22. Juni um 10.00 Uhr am Parkplatz der Talstation der Ifen-Bahn im Kleinwalsertal (gebührenpflichtiger Parkplatz).  Zurück sind wir je nach Tempo und ob/wie lange wir einkehren etwa gegen Mittag oder am frühen Nachmittag des 23. Juni.

Kosten: Die Kosten für Wanderung und schamanische Begleitung betragen 140 Euro. Etwaige Anzahlungen werden erstattet, wenn die Wanderung von mir abgesagt wird. Bei Nichterscheinen trotz Anmeldung wird ein Unkostenbeitrag von 50 Euro berechnet. Sollte ich absagen müssen (z. B. wetterbedingt, Corona…), wird der volle Betrag erstattet.

Nachdem du dir den Abschnitt „Ist diese Wanderung für dich?“ (oben) sorgfältig durchgelesen hast, kannst du dich gerne anmelden oder dich mit Fragen an mich wenden. Die Teilnahme erfolgt auf eigene Gefahr und Verantwortung. Ein Vorgespräch (telefonisch oder persönlich) ist unbedingt erforderlich.
Achtung: Bei schlechtem Wetter wird die Wanderung verschoben oder fällt aus. Die Entscheidung dazu treffe ich am Abend vorher oder am Morgen des 22. Juni.

Anreise: Anreise ist mit dem Auto möglich (kostenpflichtiger Parkplatz an der Ifen-Talstation). Es gibt auch eine gute Verbindung mit den Öffis. Mit der Bahn: Der ALEX fährt von München durch bis nach Oberstdorf. Dort am Bahnhof geht die Linie 1 des Walserbus‘ bis Unterwestegg (noch vor Riezlern), dort umsteigen in die Linie 5 bis zur Ifen-Talstation. Aktueller Fahrplan hier. Möglicherweise musst du in Riezlern umsteigen. Leider ist das Online-Angebot dazu eher unübersichtlich, weiterhelfen bei Fragen kann aber sicherlich das Tourismusbüro Kleinwalsertal.